Wir haben drei Wochen Zeit und haben uns den Neckarweg von Schwenningen nach Mannheim vorgenommen – rund 430 Kilometer. Ich bin umgeknickt, daher waren es statt 430 Kilometer von Villingen-Schwenningen nach Mannheim „nur“ rund 300 Kilometer bis nach Mosbach. Egal, aber zur Orientierung: Wir sind den Neckarweg gegangen und nicht allein den „kleinen prominenten Bruder“, den Neckarsteig, der Teil des Neckarwegs ist. Wir waren damit auf Terrain unterwegs, das zwar ausgeschildert, aber zum großen Teil so gut wie gar nicht begangen ist. Fazit in jedem Fall: Der Weg ist toll und hat nun wirklich genügend Reize für uns Wandersleut. Die Reize: Tolle Etappenziele, wir kommen also immer wieder durch Städte, die man gerne näher kennen lernt – Rottweil, Horb, Rottenburg, Tübingen, Esslingen, Lauffen, Bad Wimpfen, Heidelberg. Und: Auch wenn wir an „Wandermolochen“ wie Stuttgart, Heilbronn oder Mannheim vorbeikommen im dicht besiedelten Neckartal, so überwiegen die Reize bei Weitem – es ist eine wein-liebliche, kirsch- und apfel-besoffene, erhabene, geschichts-und- literatur-interessante Stecke. Reizend und reizvoll in einem.

Die Strecke

Der Neckarweg hat rund 480 Kilometer und geht vom Neckarursprung in Schwenningen bis zur Neckarmündung in den Rhein in Mannheim. Wir hatten rund 430 km geplant mit „Aussetzern rund um Heilbronn und Mannheimn. Der Neckarsteig von Bad Wimpfen bis Heidelberg ist der prominenteste Part der Strecke – dort trifft man „Mitwanderer“, den Rest vom Weg wandern wir schlichtweg einsam und allein. Bekannter ist der Neckarweg für Radler, die sind regelmäßig, aber nicht in Massen unterwegs. Die Wanderer haben meist eigene Wege und kreuzen die Radler nur ab und an.

Der Weg

Die Markierung ist durchweg, lässt aber zu wünschen übrig. Ohne GPS hätten wir sicher einige Umwege gemacht – mit hat man definitiv eine sehr nützliche Unterstützung. Der Weg ist relativ eben mit wenigen Steigungen – nach „hinten“ raus, Richtung Heidelberg, wird es ein wenig mehr. Vorbereitet sein muss man auf einen recht hohen Anteil an Asphalt über die meiste Strecke. Einen tollen Reiz bekommt der Neckarweg, weil er tolle Stationen (Städte) hat. Es ist halt entspannt, wenn man in Rottenburg oder Esslingen übernachten kann, in Tübingen oder in Heidelberg. Das unterscheidet den Weg auch von vielen anderen – am Alb- oder am Eifelsteig übernachtet man halt oft in wirklich kleinen Orten. Tut das dem landschaftlichen Genuss einen Abbruch? Ich würde sagen ein kleines bisschen. Eifelsteig hat natürlich spektakulärere Sichten. Aber überhaupt kein Grund, den Neckarsteig außer Acht zu lassen. Hier erlebt man, wie eine vielleicht nicht immer bildschöne Wirtschaftsregion nur wenige Kilometer neben den Metropolen gleichzeitig in vielen Facetten reizvoll sein kann. Landschaftlich, landwirtschaftlich, historisch, und, und, und.

Planung

Es gibt vom Verlag Rother den Wanderführer Neckarweg – in 35 Etappen. Die meisten Etappen sind unter 20 km – uns ist das ein bisschen zu wenig, unser Plan sah so rund 18 Etappen vor mit so um die 25 km am Tag. Jeder, wie er es mag. Unterkünfte haben wir nicht vorher geplant, sondern ein, zwei Tage vorher angerufen. Kein Problem. Großer Vorteil im Vergleich zu andern Wanderwegen ist wirklich die gute Infrastruktur – in den Orten hatte es meist mehrere  Gaststätten und Hotels zur Auswahl.

Unsere Etappen

Die Kilometer entsprechen meist, aber nicht immer dem realen Weg. Wir haben uns auch mal ganz leicht vom Neckarweg entfernt – mal war der Weg wegen Eichenprozessionsspinnern oder wegen Bauarbeiten gesperrt, mal sind wir vom Weg abgekommen. Rund um Heilbronn haben wir auch abgekürzt – durchs Industriegebiet muss man ja nicht gerade laufen.

1 Schwennigen – Rottweil: 22 km, Gasthaus Bären

2 Rottweil – Oberndorf: 27 km, Pension Dölker

3 Oberndorf – Horb: 30,5 km, Goldener Adler

4 Horb – Rottenburg: 25,5 km, Anker

5 Rottenburg – Tübingen: 14,5 km, Hotel am Bad

6 Tübingen – Neckarhausen: 26 km, Hotel Kiefer

7 Neckarhausen – Plochingen: 20 km (wegen der Bauarbeiten Stuttgart 21 sind wir hier schon deutlich anders gelaufen)

8 Plochingen –Fellbach, 25 km, Alte Kelter

9 Fellbach – Neckarrems, 20 km, Gasthaus Hirsch

10 Neckarrems – Pleidelsheim, 24 km, Hotel am Schillerplatz

11 Pleidelsheim – Lauffen 22 km, Gästehaus Schenk

Hier lassen wir die Etappe nach Heilbronn aus, sind so 14 km, weil es uns nicht so reizvoll erscheint. Wir steigen wieder ein an der Bushaltestelle Heilbronn / Marktkauf.

12 Heilbronn – Bad Wimpfen, 22 km, Herberge Traube

13 Bad Wimpfen – Mosbach, 27 km, Hotel Lamm

Leider bin ich vor Mosbach umgeknickt – damit war also an der Stelle Schluss. Ich schreibe aber mal noch die Etappen, wie wir sie von da aus noch geplant hatten und bestimmt noch einmal nachholen werden.

14 Mosbach – Neunkirchen, 32 km

15 Neunkirchen – Eberbach, 20 km

16 Eberbach – Neckarsteinach, 28 km

17 Neckarsteinach – Heidelberg, 22 km

18 Heidelberg – Mannheim 31 km

Zu guter Letzt

Der Neckar ist der Fluss der Dichter, daran kommt ihr keinesfalls vorbei. Deshalb hier noch das Gedicht „Der Neckar“ von Friedrich Hölderlin – in Lauffen und Nürtingen aufgewachsen, in Tübingen gestorben.

In deinen Tälern wachte mein Herz mir auf

   Zum Leben, deine Wellen umspielten mich,

      Und all der holden Hügel, die dich

         Wanderer! kennen, ist keiner fremd mir.

Auf ihren Gipfeln löste des Himmels Luft

   Mir oft der Knechtschaft Schmerzen; und aus dem Tal,

      Wie Leben aus dem Freudebecher,

         Glänzte die bläuliche Silberwelle.

Der Berge Quellen eilten hinab zu dir,

   Mit ihnen auch mein Herz und du nahmst uns mit,

      Zum stillerhabnen Rhein, zu seinen

         Städten hinunter und lustgen Inseln.

Noch dünkt die Welt mir schön, und das Aug entflieht

   Verlangend nach den Reizen der Erde mir,

      Zum goldenen Paktol, zu Smyrnas

         Ufer, zu Ilions Wald. Auch möcht ich

Bei Sunium oft landen, den stummen Pfad

   Nach deinen Säulen fragen, Olympion!

      Noch eh der Sturmwind und das Alter

         Hin in den Schutt der Athenertempel

Und ihrer Gottesbilder auch dich begräbt,

   Denn lang schon einsam stehst du, o Stolz der Welt,

      Die nicht mehr ist. Und o ihr schönen

         Inseln Ioniens! wo die Meerluft

Die heißen Ufer kühlt und den Lorbeerwald

   Durchsäuselt, wenn die Sonne den Weinstock wärmt,

      Ach! wo ein goldner Herbst dem armen

         Volk in Gesänge die Seufzer wandelt,

Wenn sein Granatbaum reift, wenn aus grüner Nacht

   Die Pomeranze blinkt, und der Mastixbaum

      Von Harze träuft und Pauk und Cymbel

         Zum labyrinthischen Tanze klingen.

Zu euch, ihr Inseln! bringt mich vielleicht, zu euch

   Mein Schutzgott einst; doch weicht mir aus treuem Sinn

      Auch da mein Neckar nicht mit seinen

         Lieblichen Wiesen und Uferweiden.

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